Kundgebung in Karlsruhe zum europäischen Marsch der Sans-Papiers und der Migrant_innen
Der Europäische Marsch der Sans-Papiers und der Migrant_innen bewegt
sich aktuell von Brüssel über einige Länder des Schengen-Raums bis vor
das europäische Parlament nach Strassbourg.
Auch hier in Karlsruhe wird Halt gemacht, um mit einer
*Kundgebung*
*Am 20. Juni um 10:30h*
auf dem *Bahnhofsvorplatz* in Karlsruhe
die Rechte von Sans-Papiers und Migrant_innen einzufordern.
Wir freuen uns über zahlreiches Erscheinen von Freund_innen und
Unterstützer_innen.
Bitte leitet die Nachricht über eure Verteiler weiter.
***Der Aufruf zum Marsch***
Europäischer Marsch der Sans-Papiers und der Migrant_innen
Die Internationale Koalition der Sans-Papiers und der Migrant_innen
(IKSM) ruft alle Sans-Papiers, Migrant_innen, Kollektive, Vereine,
Gewerkschaften, Lohnabhängigen, Rentner_innen, Empörten, Student_innen,
sozialen Bewegungen, politischen Parteien und Bürger_innen auf, am
Europäischen Marsch der Sans-Papiers und der Migrant_innen teilzunehmen.
Dieser findet statt
vom 2. Juni bis zum 2. Juli 2012.
Der Marsch soll Sans-Papiers und Migrant_innen der EU und des
Schengenraums zusammenbringen und vor das Europäische Parlament in
Strassburg führen. Wir fordern die globale Regularisierung aller
Sans-Papiers, Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit für alle,
Bürgerschaftsrechte am Aufenthaltsort, Schutz und Respekt für
Asylsuchende, für Sinti und Roma etc.
Wir bewegen uns alle nach Strassburg, der Hauptstadt vieler europäischer
Institutionen, um die Abgeordneten des Europäischen Parlaments und/oder
der Parlamentarischen Versammlung des Europarates zu ermahnen, die
Europäische Konvention der Menschenrechte im Migrations- und Asylbereich
umzusetzen.
Die wirtschaftliche und soziale Krise erfasst in erster Linie die
prekärsten Teile der Bevölkerung, zu der die Sans-Papiers und die
Migrant_innen zählen. Überall in Europa antworten die Regierungen mit
Sparprogrammen, migrationspolitischem Utilitarismus und es kommt zu
rassistisch-xenophoben Auswüchsen.
Das Überleben mit knappsten Mitteln, das kennen die Sans-Papiers und
Migrant_innen bestens!
Seit Generationen wird das Wirtschaftswachstum auf ihrem Rücken
vorangetrieben. Besonders in Sektoren, die nicht standortverlagert
werden können (wie dem Bau- und dem Dienstleistungssektor oder dem
Gastgewerbe), werden Sans-Papiers als billige Arbeitskräfte angestellt.
Sie bleiben dabei in prekärer Arbeit gefangen, können jederzeit
entlassen werden und sind der Willkür ihrer Chefs ausgeliefert.
Der europäische Marsch richtet sich einerseits gegen die repressiven
Gesetze und ihren Vollzug (Verhaftungen, Haft, Zwangsausschaffungen):
Seit der Einführung des Schengen-Abkommens und der Einsetzung von
Frontex spitzen sich die Verhältnisse in allen europäischen Staaten
drastisch zu.
Der gesetzliche Rahmen gestaltet sich immer brutaler, ist
fremdenfeindlich und willkürlich. Für die Sans-Papiers und alle
Migrant_innen ist es deshalb an der Zeit für einen Marsch auf das
Europäische Parlament in Strassburg.
Dieser Marsch stellt andererseits eine Gelegenheit dar, Forderungen und
Vorschläge voranzutreiben und öffentlich zu machen, die sich an den
schwierigen Bedingungen der Sans-Papiers orientieren und im Zuge der
Erfahrungen eines langen Widerstands entstanden sind: Wie in Frankreich,
wo im August 1996 Sans-Papiers die Pariser Kirche von St. Bernard
besetzen und später geräumt wurden.
Oder in Italien, wo Sans-Papiers in Rom am 7. Oktober 1989 in Gedenken
an den in der Provinz Caserta ermordeten südafrikanischen Flüchtling
Jerry Essan Masslo einen grossen Marsch organisierten. Oder wie in
zahlreichen anderen europäischen Ländern (Schweiz, Spanien, Deutschland,
Grossbritannien, Belgien, etc.), wo Sans-Papiers immer wieder soziale
Kämpfe führen, um anerkannt zu werden.
Mit dem Marsch soll zudem auf europäischer Ebene ein Zeichen gesetzt
werden, dass sich Sans-Papiers und Migrant_innen nicht zu
elektoralistischen Zwecken instrumentalisieren lassen wollen, auch wenn
sie sich keine Illusionen machen, dies ganz verhindern zu können.
Immerhin werden sie die Bürger_innen Europas daran erinnern, dass sie
mit Millionen von Menschen – Männern, Frauen, Kindern – zusammen
arbeiten und in Nachbarschaft leben, die zwar viele Bürden auf sich
nehmen (Abgaben, Steuern, Erwerbsarmut, teure Mieten…), denen
gleichzeitig aber die fundamentalsten Grundrechte verwehrt bleiben –
weil sie aus dem „falschen“ Erdteil kommen, eine farbige Haut haben,
einer nicht-christlichen Religion angehören.
Der Marsch der Sans-Papiers und der Migrant_innen ist auch ein
Gedenkmarsch und erinnert daran, dass die Migration des 20. Jahrhunderts
ganze Armeen von Soldaten und Lohnabhängigen schuf, die im Kampf oder
nach langen Jahren der Ausbeutung starben. Von ihren Leben profitierten
die europäischen Nationalstaaten, die sich im Zuge des 2. Weltkriegs und
der Industrialisierung des letzten Jahrhunderts entwickelten. Durch den
Besuch symbolischer Orte wie Verdun, wo die Ahnen der heutigen
Sans-Papiers in Schützengräben oder Minen ihr Leben liessen, erweist der
Marsch ihnen ein Andenken.
Der Marsch revoltiert gegen die Ungerechtigkeit, die Diskriminierung und
die Ungleichheiten, von denen die ausländische Bevölkerung und prekäre
Schichten von Europäer_innen zunehmend brutal betroffen sind. Der Marsch
versteht sich als Zeichen der Solidarität mit der gesamten Bevölkerung,
die eine Gesellschaft zurückweist, die jenen, die schon viel haben,
immer noch mehr und jenen, denen es mangelt, immer weniger zuspricht.
Schliesslich ist der Marsch ein grenzen-sprengendes, ein
internationalistisches Projekt. Wir wollen aufzeigen, dass das Europa
des Schengener Abkommens weit weg ist von einer emanzipatorischen
Mission für seine Bevölkerung – der Marsch führt deshalb über Schengen
in Luxembourg nach Strassburg.
ALLE GEMEINSAM NACH STRASSBURG!
Internationale Koalition der Sans-Papiers und der Migrant_innen (IKSM)
Kontakte für weitere Informationen, Anmeldungen und Unterstützung:
Anzoumana Sissoko: +33 626 77 04 02
Aboubakar Soumahoro: +39 347 92 50 741
Lionel Roche +41 79 50 69 574
E-mail: marche.europeenne.sanspapiers@gmail.com
—
*Initiative Grenzenlos*
http://www.stop-deportation.de



2.So./Monat, 18.00 Uhr,
Querfunk 104,8 MHz o. www.querfunk.de.
(Wh: 2.Mo./M.: 6 u 12Uhr und 4./5.Mi./M. 5.30 Uhr)





